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Des Deutschen liebste Knolle – die Kartoffel

Ob als Salz-, Brat- oder Pellkartoffel, als Knödel (Klösse), Salat, Pommes oder in der eidgenössischen Rösti-Version – auch die Österreicher und Schweizer schwören auf die Erdfrucht. Manche zudem in Alkohol-Form (Wodka oder Aquavit) oder als Futtermittel.

Dabei stammt die Kartoffel eigentlich gar nicht aus Europa. Auf der Insel Chiloé fand man die ältesten Spuren – vor rund 13.000 Jahren. Weitere Landsorten wurden in den Anden (Argentinien, Bolivien, Chile, Peru und Venezuela entdeckt. Nach Europa kam sie vermutlich über die Kanarischen Inseln im 16. Jahrhundert. In Deutschland erfolgte der erste Anbau unter Ferdinand III. im Jahr 1647 in Oberfranken, in Österreich erschien bereits 1621 in Linz ein Kochbuch mit Kartoffelrezepten, geschrieben vom Benediktinerabt Caspar Plautz.

Die Kartoffel (Solanum tuberosum) gehört zur Familie der Nacht-schattengewächse und ist eigentlich giftig! 2022 wurde sie zur Giftplanze des Jahres gewählt, giftig allerdings sind nur die grünen Teile und die Keimlinge, die keinesfalls gegessen werden sollten. Die Knolle ergrünt bei Tageslicht – verantwortlich dafür zeichnen vornehmlich die beiden Glykoalkaloide Solanin und etwas weniger Chaconin. In rohem Zustand ist die auch als Grund- oder Erdbirne bzw. Tüffke bezeichnete Pflanze unge-niessbar.

Alleine in Deutschland wurde 2024 eine Rekordernte von 12,7 Mio Tonnen gefeiert; in Österreich waren es 693.642 to, in der Schweiz 359.600 to im Jahr davor. Weltweit sind es rund 370 Millionen Tonnen – hört, hört: Der grösste Produzent ist einmal mehr China! Damit ist die Kartoffel, von der es rund 7.000 Sorten gibt, eines der wichtigsten Nahrungsmittel. Durchaus verdient somit auch das durch die Generalver-sammlung der Vereinten Nationen erklärte Internationale Jahr der Kartoffel 2008. Und nun hat eine Studie zudem bewiesen, dass die Kartoffel ausserdem noch sehr gesund ist. Forscher aus Norwegen haben in einer Langzeitstudie über den Zeitraum von 33,5 Jahren nachgewiesen, dass jene Probanden, die regelmässig zur Kartoffel griffen, ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und somit auch eine höhere Lebenserwartung vorzuweisen hatten. Über 77.000 Personen haben sich an dieser wissenschaftlichen Untersuchung beteiligt. Sie haben während des Studienzeitraumes pro Woche im Schnitt 13 Kartoffeln gegessen. Veröffentlicht wurde die Studie im ”Journal of Nutrition”. Allerdings ist die Zubereitung ein ganz entscheidender Faktor. In Norwegen werden Kar-toffeln vornehmlich gekocht. Damit dürfte dies auch die beste Anwen-dung sein. Gekochte Kartoffeln weisen einen niedrigen glykämischen Index auf – das bedeutet, dass die Glukose nur langsam an den Blut-kreislauf weitergegeben wird (Traubenzucker beispielsweise marschiert unmittelbar als Blutzucker weiter). In diesem Zusammenhang spricht man auch von ”guten Kohlenhydraten”. Dies sind langkettige Kohlenhydrate, die längere Zeit verdaut werden müssen. “Schlechte Kohlenhydrate” finden sich etwa in zuckerhaltigen Snacks und Speisen, die die Glukose rasch an den Blutkreislauf weiterleiten, dabei nur kurzfristig sättigen und danach einen Heisshunger hervorrufen. Ferner ist die Kartoffel auch sehr nährstoffreich. Sie enthält viele Ballaststoffe, Kalium und Vitamin C und viele andere Mineralstoffe und Vitamine bzw. Provitamine.

Alsdann verfügen die Kartoffeln über rund 80 % Wasseranteil und nur wenigen Kalorien. Das ist etwa beim Reis oder den Nudeln nicht der Fall. Deshalb eignen sich die Erdäpfel auch für Diäten.

Wie nun können all diese Vorzüge in der Kartoffel erhalten werden? Die Schale schützt die Inhaltsstoffe. Deshalb stets ungeschält kochen oder noch besser dämpfen. Gilt im Übrigen für jedes Gemüse! Dabei bleiben besonders die Vitamine und Mineralstoffe am besten erhalten.

All diese Vorzüge gelten nicht für Pommes oder Chips – sie enthalten durch das Frittieren sehr viel Fett!

Zum Thema Süsskartoffel (Ipomoea batatas): Der lateinische Ausdruck deutet bereits darauf hin, dass die beiden Pflanzen nicht miteinander verwandt sind. Vielmehr hat die Süsskartoffel ihren Namen aufgrund des ähnlichen Aussehens und Verwendung.

Na denn – Mahlzeit!!!

Lesetipps:

.) Landtechnik; Horst Eichhorn; Ulrmer 1999

.) Praktische Einführung in die Pflanzenmorphologie – Teil 1; Wilhelm Troll; Gustav Fischer Verlag 1954

.) Spezieller Pflanzenbau; Hrsg.: Klaus-Ulrich Heyland; Ulmer 1996

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