Heilig’s Blechle!!!
Samstag, März 29th, 2025Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck meint:
„Die Ankündigungen der hohen Zölle auf Autos und Autoteile sind eine schlechte Nachricht für die deutschen Autobauer, für die deutsche Wirtschaft, für die EU, aber auch für die USA. Sie greifen in die globalen Lieferketten ein und werden auch US-Autos teurer machen. Preise werden in den USA weiter steigen.“
Etwas deutlicher wird die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen:
„Wir werden nun diese Ankündigung zusammen mit anderen Maß-nahmen, die die USA in den nächsten Tagen in Betracht ziehen, bewerten.“
Südkorea hat Notfallmassnahmen angekündigt, Kanada spricht von einem „direkten Angriff“ und auch Japan stimmt in den Chor mit ein:
„Wir legen alle Optionen auf den Tisch, um die effektivste Antwort zu finden!“,
so Japans Ministerpräsident Shigeru Ishiba.
Doch – das Thema Strafzölle auf im Ausland produzierte Autos kennen wir bereits! Schon 2018 verfolgte US-Präsident Donald Trump diese Pläne. Damals waren nicht alle in seinem Team damit einverstanden. Etwa Rex Tillerson – es kostete ihn den Job. Anlässlich seiner Entlassung schrieb Stefan Kornelius von der Süddeutschen Zeitung, dass es um Rex Tillerson als höchstwahrscheinlich schlechtesten US-Aussenminister nicht schade wäre, doch hatte er durchaus seine Berechtigung: „…als Korrektiv für den wohl schlechtesten Präsidenten in der Geschichte der USA“! Trump ist ein Populist und als solcher – das kennen wir von Vertretern der SVP in der Schweiz, der AfD in Deutschland und der FPÖ in Österreich – ein Krakehler und Tagespolitiker ohne Weitblick.
„Wenn die EU mit Kanada daran arbeitet, den USA wirtschaftlichen Schaden zuzufügen, werden groß angelegte Zölle, viel größer als die derzeit geplanten, gegen beide verhängt!“
(Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social)
Posaunte er doch ehedem freudestrahlend bei einer Wahlkampf-veranstaltung in Pennsylvania in die Welt: „Wir werden Mercedes-Benz und BMW mit Zöllen belegen!“, so hat er wohl übersehen, dass BMW mit der Tochtergesellschaft BMW US Manufacturing Company LLC in Spartanburg/South Carolina seit 1994 mit 8.000 Mitarbeitern täglich rund 1.400 Fahrzeuge der Modelle X3, X4, X5, X6, X7 und XM selbst vorort fertigt – vom Z3 etwa wurden bis 2002 297.087 Exemplare in den USA hergestellt. Auch Mercedes produziert über die Tochter Mercedes-Benz U.S. International (MBUSI) in Tuscaloosa/Alabama die Modelle GLE, GLS und GLE Coupé sowie den Mercedes-Maybach GLS, aber auch den vollelektrischen EQE SUV, den EQS SUV und den Mercedes-Maybach EQS SUV. Daneben betreiben die Stuttgarter in Woodstock/Alabama auch ein eigenes Batteriewerk. Mercedes investierte an den Standorten rund 7 Millarden US-Dollar (darunter etwa 1 Mrd. für das Batteriewerk) und fertigte dort seit 1997 etwa 571.000 Stück der M-Klasse, danach auch die R- und GL-Klasse. Wertmässig zwei Drittel der verarbeiteten Teile stammen von US-Zulieferern, in beiden Werken arbeiten über 6.000 Mitarbeiter – mehr als 260.000 SUVs verliessen im Jahr 2024 das Fliess-band (seit 1997 mehr als 4,5 Mio Fahrzeuge). Mit einer Wertschöpfung 2017 von 1,5 Milliarden US-Dollar und einem Exportvolumen von 1 Milliarde jährlich ist das Unternehmen sogar der grösste Exporteur Alabamas, der zweitgrösste Automobil-Exporteur der USA. Somit geht es bei diesen beiden Unternehmen – sollten sie in Runde 2 Schaden aus den Plänen Trumps erleiden – um heimische Arbeitsplätze in zwei Bundesstaaten aus dem Süden der USA – aus dem Gebiet der Stamm-wählerschaft der Republikaner. Es ist also grösster Nonsens, wenn Trump mit der Einfuhr von Strafzöllen Autohersteller aus dem Ausland mit Standort in den USA schaden möchte.
Andere Studien hingegen zeigen auf, dass dies mit Vorsicht zu geniessen ist. So hat beispielsweise das CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen 2018 ausgerechnet, dass Strafzölle eine Mehrbelastung der deutschen Autoindustrie im US-Geschäft in der Höhe von 3 Milliarden Euro jährlich bedeuten würde – und BMW treffe es am meisten, da die in den USA produzierten Fahrzeuge „nicht gegen-gerechnet werden könnten“! Soll heissen, dass alle anderen Modelle (bei BMW beispielsweise auch der Mini) importiert werden müssen. Hierzu einige Zahlen aus 2017 für die Produktionen und Verkäufe in den USA:
– Audi
50.000 Fahrzeuge gebaut, 225.000 verkauft, 170.000 importiert, erwartet 655 Mio € Mehrausgaben
– BMW
370.000 Fahrzeuge gebaut, 350.000 verkauft, 250.000 importiert, erwartet 1 Mrd € Mehrausgaben
– Mercedes (inkl. Smart)
335.000 Fahrzeuge gebaut, 375.000 verkauft, 150.000 importiert, erwartet 600 Mio € Mehrausgaben
– VW
600.000 Fahrzeuge gebaut, 340.000 Fahrzeuge verkauft, 5000 importiert, erwartet 11 Mio € Mehrausgaben (Porsche zusätzlich 480 Mio € Mehrausgaben)
Auch VW lässt in Chattanooga bzw. Mexiko für den US-Markt produ-zieren. Mexiko ist ja vorerst bis Anfang April von den Trump’schen Strafplänen der generellen Strafzölle ausgenommen, da auch sehr viele US-Auto-Produzenten aufgrund der niedrigeren Löhne dort produzieren lassen. Ausserdem sind Mexiko und auch Kanada ja alsdann Mitglieder des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA), doch soll auch das überarbeitet werden. Und zudem gibt es da noch die Free Trade Area of the Americas (FTAA) – die amerikanische Freihandelszone!
Aber – fairerweise muss erwähnt werden: Aus den USA in Europa importierte Fahrzeuge werden hierzulande mit einem Zoll von 10 % belegt! Die USA verlangten bislang für europäische Fahrzeuge nur 2,5 %. Etwas anders zeigt sich jedoch die Situation bei Lastwagen und Pickups – die USA verlangen 25 %, die EU hingegen nur 14 %. Ein ähnliches Prozedere auch bei Schuhen, Textilien und Erdnüssen.
Im Automobilbereich sieht Trump das grösste Problem.
Seit 12. März bestehen schon Strafzölle auf Erzeugnisse aus Stahl und Aluminium in der Höhe von 25 % – „zum Schutz der nationalen Sicher-heit“! Damit trifft er die EU weitaus weniger hart als beispielsweise Brasilien und China. Und nun, ab dem 03. April also auch auf Autos.
Die EU führte bereits 2018 Zusatzzölle für US-Produkte ein, die bislang ausgesetzt waren – allerdings sollen diese ab 15. April wieder in Kraft gesetzt werden. Dies beträfe dann Waren bzw. Marken wie Harley Davidson, Jack Daniels, Levis, Marlboro, … – einzusehen im Anhang II der Durchführungsverordnung EU 2018/885 bzw. 2020/502: Waren aus Aluminium und Stahl, Lederwaren, Zucker, Rindfleisch, … – ja, auch meine heissgeliebten Erdnüsse werden dabei sein. Produkte im Gesamt-wert von rund 6,4 Milliarden Euro! Das bedeutet dann Krieg, Handels-krieg! Schliesslich hängen zigtausende Arbeitsplätze vom EU-Import amerikanischer Waren ab. Wie war das noch vor ein paar Jahren mit TTIP???
Etwas gelassener sieht es die Stahlindustrie in Deutschland. Hier werden vornehmlich Rohre für US-Pipelines exportiert – nachdem das Fracking-Geschäft aber dermassen eingebrochen ist, ist auch dieser Bereich rückläufig. Sollten die Exporte über den Atlantik ausfallen, tut’s zwar weh, verursacht aber keine wirklich grossen Hühneraugen, da die entsprechenden Unternehmen zudem aufgrund von Dumping-Verfahren, die bereits 2016 eingeleitet wurden, die Exporte stark gedrosselt oder gar gestoppt haben. Auch der grösste österreichische Stahlerzeuger, die voestalpine betont, dass nur rund 2-3 % des Umsatzes von Strafzöllen betroffen wären. Das Unternehmen lukriert etwa zwei Drittel ihres Stahlumsatzes mit den USA (1 Mrd. €) als lokale Produzenten in den USA selbst (Angaben: Wolfgang Eder, Ex-Vorstandsvorsitzender VOEST 2018).
Einzig: Der Umleitungseffekt wird zu Problemen führen. Jene Grobbleche, die nicht mehr in die USA exportiert werden, drängen auf den europäischen Markt. Und der kränkelt ohnedies seit Jahren schwer. ThyssenKrupp hat schon 2017 300 Arbeitsplätze in der Grobblech-produktion gestrichen. Grobbleche werden beispielsweise für die Motoren- oder Röhrenproduktion benötigt. Hier ist der Markt schon seit längerem heiss umkämpft, da diese in China und Korea unter den dortigen Produktionskosten eingekauft werden können. So werden Überproduktionen abgebaut, aber auch Konkurrenten vom Markt gewischt. Ist dies geschehen, werden die Preise wieder erhöht. Die EU unterdrückt das Prozedere seit Jahren durch Importzölle oder Anti-Dumping-Massnahmen. Im Vergleich zu den USA gehen die Europäer jedoch nur gegen einzelne Produkte (etwa nahtlose Edelstahlrohre) oder Staaten vor und begründen dies auch entsprechend. Trump rechtfertigt seine umfassende Massnahme mit „nationaler Sicherheit“ und geht gegen alle vor.
Hier ein kurzer Blick auf das Stahlimport-Ranking der USA nach Herkunftsländer (Zahlen: Census Bureau 2023): Kanada: 6.885.000 Tonnen, Mexiko: 4.184.000 Tonnen, Brasilien: 3.942.000 Tonnen, Südkorea: 2.637.000 Tonnen, … Deutschland folgt auf Platz 6., China erst auf Platz 7.! Damit ist klar nachgewiesen, dass Trump nicht China an den Kragen will, er schädigt also vornehmlich die Handelsbeziehungen zu Verbündeten! Soll heissen, er will dadurch mehr rausholen. Und das hat wahrlich nichts mit der nationalen Sicherheit zu tun – auch wenn die Stahlindustrie in den USA schlecht dasteht – das aber ist hausgemacht!
Damit die EU dauerhaft hiervon ausgenommen wird, verlangen die USA noch mehr:
– Einfrieren der EU-Stahlexporte in die USA auf dem Niveau von 2017
– Erhöhung der Antidumping-Abgaben auf chinesischen Stahl
– Erfüllung der vereinbarten Rüstungsanstrengungen
Mein lieber Schorle – jetzt will Trump seine Waffengier auch in Europa durchsetzen!!!
Im Jahr 2018 schlug EU-Ratspräsident Donald Tusk von sich aus ein Frei-handelsabkommen wie TTIP mit den USA vor. Gottlob war dies nicht notwendig, hätte es doch den erneuten Start des ganzen Brimboriums bedeutet – mit noch höheren Auflagen durch die USA als damals bei den originalen TTIP-Verhandlungen. Und stets der Drohung im Hintergrund, dass die Stafzölle ja auch auf Europa ausgedehnt werden können. Diese Erfahrung machte 2018 auch die damalige EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström nach Ihrem ersten vierstündigen Gespräch mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer in Brüssel. Die Regierung Trump zeige mangelhaftes Entgegenkommen. Wieso hat Mr. Trump dann 2018, kurz vor der Deadline einen Zoll-Interruptus gemacht??? Und dass derartige Abkommen nur beschriebenes Papier sind, zeigte der US-Präsident ja vor Jahren schon am Beispiel Aluminium aus Brasilien Das Land am Amazonas gehört ebenso zur FTAA!
Nach unterschiedlichen Krisen-Treffen der europäischen Politiker aller Ebenen wurde eine deutliche Antwort auf die Handelspolitik der USA versprochen. Trump meinte einst, dass Handelskriege „gut und leicht zu gewinnen“ seien! Anderer Meinung war damals schon die US-Handels-kammer:
„Zölle könnten zu einem zerstörerischen Handelskrieg mit ernsten Konsequenzen für das US-Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen führen!“
(Thomas Donohue, Präsident der US-Handelskammer)
Derselben Meinung ist man auch heute beim Kieler Institut für Welt-wirtschaft (IfW):
„Auch wenn die Autoindustrie global sehr sichtbar ist und ein Zollsatz von 25 Prozent im historischen Vergleich sehr hoch ist – außerhalb Nordamerikas bleiben die gesamtwirtschaftlichen Effekte überschau-bar!“
(IfW-Ökonom Julian Hinz, Professor für Internationale Volkswirtschafts-lehre an der Universität Bielefeld).
Trump schneidet sich damit ins eigene Fleisch: Unzählige Produkte werden in den USA durch die Strafzölle im allgemeinen teurer werden, die Inflation steigen und die Konjunktur sinken.
„Wenn die USA ihr Handelsdefizit reduzieren wollen, müssen sie die Amerikaner dazu bringen, härter zu arbeiten. Und sie müssen Reformen in Einklang mit der internationalen Marktnachfrage durch-führen, statt den Rest der Welt aufzufordern, sich zu ändern.“
(Leitartikel in der chinesischen Zeitung Global Times)
Die eigentlichen Pläne des Präsidenten: Das Handelsbilanz-Defizit mit China soll um rund 100 Milliarden Dollar reduziert werden (derzeit bei -295,4 Mrd. $). Deutschland etwa hat ein Handelsbilanzplus von 16 Mrd. Euro im Januar 2025 – das hat den Neid des Präsidenten geweckt. Doch: Trump wird sich nicht nur an China, sondern auch an der EU und Kanada die Zähne ausbeissen. Die Volksrepublik war 2017 mit nicht weniger als 636 Milliarden US-Dollar Einfuhren der wichtigste Handelspartner der Vereinigten Staaten. US-Exporte nach China erreichten gerade mal 375 Milliarden. Während zuletzt die chinesischen Exporte abflachten (nurmehr 3,2 %), legten die Importe um 6,5 % zu (Stand: Juli 2024). Somit arbeitet auch das Reich der Mitte an ein Handelsbilanzdefizit!
Aus der EU-Kommission heisst es, dass für die Einfuhr von US-Waren in die EU im Schnitt 3 % Zölle verlangt werden, die USA liegen bei 2,4 %. Damit hat Trump also die Rechtfertigung für seine Pläne verloren! Zu laut gebrüllt Löwe. Und wenn die Amis nun mehr für das von Ihnen heiss geliebte Red Bull bezahlen müssen, da das Aluminium der Dosen höher verzollt wird, fällt das ja auch wieder auf den kleinen US-Bürger zurück! Vorher besser kundig machen!!!
Lesetipps:
.) The Globalization Paradox – Why Global Markets, States, and Democracy Can’t Coexist; Dani Rodrik; Oxford University Press 2011
.) Internationale Wirtschaft – Theorie und Politik der Außenwirtschaft; P. R. Krugman/M. Obstfeld; Pearson Studium 2006
.) Volkswirtschaftslehre 2; Werner Lachmann; Springer-Verlag 1995
.) Makroökonomie; Olivier Blanchard/Gerhard Illing; Pearson Studium 2006
.) Auf Kosten der Freiheit: Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa; Josef Braml; Bastei Lübbe 2016
Links:
- americastradepolicy.com
- www.ihk.de
- www.zoll.de
- eur-lex.europa.eu
- www.bmwi.de
- www.bmdw.gv.at
- www.bmwgroup-werke.com/spartanburg/en
- press.bmwgroup.com
- group.mercedes-benz.com/unternehmen/nordamerika/mercedes-benz-us-international